Kirche St. Andreas in Untermarchtal

Seit der ersten Errichtung im Jahre 1465 hat das Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte große Ereignisse und Veränderungen erfahren. Angefangen vom Gründer und Erbauer Dietrich von Speth aus Ehestetten, der von den Herren von Stein 1442 unmittelbar „Burg und Dorf“ gekauft hat, bis zu den Grundherren von Speth, die 400 Jahre lang den Ort Untermarchtal in Besitz nahmen. Schließlich erlosch das Adelsgeschlecht derer von Speth 1850 mit dem Tod von Freiherr Friedrich von Speth, der ohne männliche Nachkommen blieb. Das Patronatsrecht zur Kapelle und späteren Kirche St. Andreas übten die Freiherren von Speth bis zu ihrem Aussterben hier aus. Es war eine Zeit mit vielen Veränderungen hier im vorderösterreichischem Land. Jedoch hatte der Ort mit der Reformation im 16. Jahrhundert keine Berührung. Dennoch war das Dorf Untermarchtal mit vielen weltlichen und kirchlichen Ereignissen mitten im Zeitgeschehen eingebunden.

Die Vorgängerin der heutigen St. Andreaskirche war die Andreaskapelle auf dem Berg als Schloßkapelle. Sie wurde 1465 von Dietrich von Speth erstellt. Damals gehörte sie zum Bistum Konstanz mit ihrem Bischof Burkhard II von Randegg. Es gibt aber keinen Nachweis ob dieser Bischof selbst die Kapelle weihte. Untermarchtal war damals keine selbstständige Pfarrei. Man gehörte zum Pfarrsprengel nach Neuburg St. Michael. Jedoch ab 1481 wurde dem Ritter Konrad von Speth und seiner Gemahlin Agnes von Rechberg laut Stiftungsbrief eine Schloßkaplanei mit Kaplan gestattet. Somit waren damit Gottesdienste erlaubt und ebenso das Aufbewahren des Allerheiligsten. Im Jahre 1517 brannte Herzog Ulrich von Württemberg das ganze Dorf mit Kirche und Schloß nieder. Der Grund dafür war, dass Dietrich von Speth bei der Entführung der Herzogin Sabina nach Bayern beteiligt war. Das Dorf verarmte zusehends. Erst 1613 stiftete Ritter Ulrich von Speth und seine Gattin Ursula von Schad zu Mittelbiberach eine zweite Kaplanei und baute die Kirche St. Andreas.

In dieser barocken Form innen und außen besteht das Gotteshaus jetzt in wesentlichen Bauteilen noch heute. Vermutlich ist von der ehemaligen Burgkapelle noch ein Teil des Chorraumes mit der spätgotischen Kassettendecke übrig. Zur selbständigen Pfarrei wurde die St. Andreas-Kirchengemeinde erst im Jahre 1830 erhoben. Damit endete die Zugehörigkeit des Ortes Untermarchtal zur Pfarrei St. Michael in Neuburg. Mehrere Gesuche von den Patronatsherren von Speth und der bürgerlichen Gemeinde an das Königreich Württemberg zuvor wurden seit 1803 abgelehnt. Erst als unser Raum zur neugegründeten Diözese Rottenburg (1828) in Württemberg kam, war dies möglich.

Der Kirchenraum bietet rund 200 Personen Platz samt Empore und Oratorium. Die Kirche ist 21 Meter lang, 8 Meter breit und 8 Meter hoch. Der viereckige Turm im Sockel mit zwei Achteckgeschossen im oberen Teil inkl. Zwiebelkuppel misst knapp 20 Meter in der Höhe. Das innere flachgedeckte Schiff besticht mit barockem, runden Stuckrahmen und der Chor mit achteckigem Stuckrahmen. Daneben steht die Sakristei mit darüber liegendem Oratorium. Dieses diente den Patronatsherren als Platz in der Kirche und ragte 1 Meter in den Chorraum. Dieser Vorbau wurde vermutlich beim Umbau 1884 abgebrochen und unter dem Gewölbebogen zurückgesetzt. Bemerkenswert: 1835 wurde die Kirche schon mit Blitzableiter versehen. Innen und Aussen wurde die Kirche in regelmäßigen Abständen stets erneuert, renoviert und umgebaut.

Die Kunstausstattung der Kirche ist meist in Barock und sehr wertvoll. Die Kreuzigungsgruppe aus dem Frühbarock vom Ehinger Zacharias Binder an der Chorwand entstand 1640. Das hochbarocke Vesperbild (Pietà) in der Seitennische, die Rokoko-Maria mit Strahlenkranz am Chorpfeiler, der Kirchenpatron St. Andreas gegenüber, die Himmelskönigin Maria mit Jesuskind an der Südschiffwand, das hochbarocke Kruzifix mit naturalistisch zersetztem Korpus im Chorraum sowie sämtliche 12 Apostel im Kirchenschiff bestechen durch ihren nachklassizistischem Stil. Das Epitaph im Renaissancestil mit spätbarocker Banddekoration inkl. der Schrifttafel mit Wappen derer von Speth und deren Verwandschaft an der Nordseite im Innern bilden eine wertvolle Kunstsammlung für die helle und damit freundliche Pfarrkirche St. Andreas. Bescheiden, unauffällig, aber doch wertvoll erscheinen die Tafeln des Kreuzweges an der Wand.

Unter dem Chor der Pfarrkirche gibt es eine herrschaftliche Gruft, in der seit 1613 insgesamt 19 verstorbenen Familienangehörige beigesetzt wurden. Die letzte Beisetzung war von Freiherr Gustav von Speth (Königlich-württembergischer Major und Ehrendomherr zu Würzburg und Eichstätt) im Jahr 1852. Dann wurde die Gruft zugemauert, weil die Witwe Prinzessin Theresia von Oettingen-Wallerstein, die 1950 verstarb und zu diesem Geschlecht gehörte, nicht in der Gruft beigesetzt werden wollte. Bei der Innenrestaurierung der Pfarrkirche im Jahr 1956 wurde das Gewölbe der Gruft angeschnitten und es wurden dabei 10 Särge entdeckt. Heute wäre die Gruft nur noch über die Kirchenaussenwand zugänglich.

Schon 1819 gehörten 3 Glocken zur Grundausstattung der Kirche und zwar die Evangelienglocke, die mittlere Elfuhrglocke und die große Zwölfuhrglocke von 1726. Die mittlere und die große Glocke mussten dann aber für Kriegszwecke abgeliefert werden. Die kleine Evangelienglocke war 1895 zersprungen und wurde später in der Glockengießerei Zoller in Biberach umgegossen. Diese Glocke wurde 1954 vom Turm geholt und mit der damaligen Neuanschaffung der jetzigen 3 Glocken der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart überlassen.

Die Andreas-Kapelle hatte anfänglich noch eine einfache Orgel, die später in die Schule versetzt wurde. 1915 spendete Adlerwirt Nikolaus Brehm und seine Gattin Maria geb. Hetzelberger eine neue Orgel von der Orgelwerkstatt Späth in Ennetach. 1988 wurde der Kauf einer neuen Orgel nötig. Der Orgelprospekt wurde erhalten und die Orgel selbst wurde von der Orgelbaufirma Eduard Zimmermann aus Oberessendorf eingerichtet.