Kapelle "Maria Himmelfahrt" in Lauterach

Die Familienzweige der „Herren von Stein“ zu Reichenstein enden im Jahre 1481. Die Erben verkauften die Burg Reichenstein, samt zwei Gütern, Laufenmühle, Lauterach und Talheim, und samt zur Burg gehörenden Leibeigenen an Gilg, Ritter von Blocksberg. Dieser veräußerte den Kauf im Jahre 1499 an Abt Georg vom Kloster Zwiefalten.

Im Jahre 1601 ließ Abt Michael Müller die Kapelle durch den Maurer und Steinmetz Georg Rümelin aus Dettingen/Erms erbauen. Sie wurde zu Ehren „Mariä Himmelfahrt“ geweiht.

Das Schloss Mochental war die Sommerresidenz der Äbte von Zwiefalten. Der Prälatenweg von Zwiefalten nach Mochental führte über Lauterach. Vermutlich ließ Abt Michael Müller die Kapelle als Zwischenstation erbauen. Die Kapelle hat einen barocken Ursprung. Durch mehrere Restaurierungen wurde der Barockstil beeinträchtigt. Der Spitzbogen im Chor dürfte der Gotik des 15. Jahrhunderts entstammen. Der Hochaltar stammt aus dem Jahre 1650. Das Altarbild entstand 1850 und stellt den Tod von Maria dar.

Das Gemälde im Chorraum stellt eine vor dem Erlöser kniende Ordensfrau dar, und zwar die Heilige Margareta Maria Alacoque. Der Legende nach war der im 17. Jahrhundert lebenden Ordensfrau Jesus Christus erschienen. 1920 wurde das Bild von Kirchenmaler Traub aus Zwiefalten gemalt, 1960 wurde es im Zuge einer Kirchenrenovierung mit Kalk zugepinselt. Der damalige Restaurator Gebhard Kopp aus Emerkingen erklärt diesen Akt in seinen kirchenhistorischen Zusammenhängen, „das Bild wurde im sogenannten Nazarenerstil gemalt, der in den Jahren 1850 bis 1920 populär war. Dieser Stil passte nicht zum barocken Stil der Kapelle, also musste es in Zeiten des Neobarocks weichen“.

Zu sehen ist auf dem Bild die deutliche Hingabe und Zuwendung der Heiligen Margareta zu Christus. Der Dreißigjährige Krieg war soeben zu Ende gegangen, als Margareta Maria Alacoque 1647 als Tochter eines königlichen Richters und Notars in einem burgundischen Dorf geboren wurde. Das Kind litt an Lähmungen und wurde geheilt. Im Mai 1671 schritt sie über die Schwelle des Klosters von der Heimsuchung Mariens zu Paray-le-Monial und gab sich rückhaltlos dem Willen des Gekreuzigten hin. Die heiligmäßige Ordensschwester hatte Visionen, Christus zeigte der Schwester sein Herz, mit deutlich sichtbarer Wunde von einer Dornenkrone umrankt und darüber ein Kreuz. Nach kirchlicher Prüfung wurden ihre Offenbarungen als wahrheitsmäßig anerkannt. Papst Benedikt XV hat sie am 13. Mai 1920 heiliggesprochen.

Für die Gläubigen in unserer Umgebung gibt es die Franz-von-Sales Realschule in Obermarchtal als Anhaltspunkt für das Wirken der Schwestern von der Heimsuchung Mariens, denn die Schule wurde vor gut 100 Jahren von ihnen gegründet und jahrelang betreut, zunächst als Internat. Heute lebt der Konvent in Untermarchtal bei den Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul.

Als sichtbare Darstellung der Vision der Heiligen Margareta Maria Alacoque hat Kirchenmaler Traub aus Zwiefalten im Jahr der Heiligsprechung das Deckenbild gemalt.

Im Jahre 1993/94 wurde die Kapelle grundlegend restauriert und die Sakristei an der Westseite angebaut.

Einmal im Monat findet donnerstagvormittags in der Kapelle eine Eucharistiefeier statt. Gelegentlich wird auch der Sonntagsgottesdienst hier abgehalten.